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Geschichte

Die grafische Berufsschule entsteht in Bozen

Lehrer und Schüler bei der Praxis mit Gruppenfoto

Gründer Silvius Flor

Der rührige Buchdrucker und Gewerkschaftler Silvius Flor wollte - nach dem Muster im deutsch-sprachigen Raum - auch in Südtirol eine grafische Schule gründen. Flor setzte sich mit den Vertretern der Landesregierung und der hiesigen Druckereien in Verbindung und fand Unter-stützung und Bereitschaft für den Beginn des Unterrichtes für die Lehrlinge der Südtiroler Druckereien, um - wie Silvius Flor 1971 selbst schrieb - »den Jugendlichen in der Heimat eine würdige Existenz zu garantieren«.
Als am 15. Dezember 1951 im Rohbau des heutigen Gerichtsgebäudes der erste Kurs für die Lehrlinge der Buchdruckereien und Buchbindereien eröffnet wurde, war dies ein erster Schritt auf dem Wege der grafischen Berufsausbildung.
In Zusammenarbeit zwischen Südtiroler Landesregierung und dem paritätisch aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzten Landeskomitee für grafische Berufsausbildung wurde zum ersten Male in Südtirol die Grundlage für eine berufliche Ausbildung der Lehrlinge des grafischen Gewerbes geschaffen und dann in der Landesberufsschule weiterentwickelt.
Vom Dezember 1951 bis Frühjahr 1955 fand der Unterricht zweimal wöchentlich von 20 bis 22 Uhr und an Samstagen von 14 bis 18 Uhr statt. Obwohl eine gesetzliche Pflicht nicht bestand, schickten die Arbeitgeber ihre Lehrlinge und diese besuchten fleißig den Unterricht.
Erst mit der Einführung des Pflichtunterrichtes aufgrund des Berufsschulgesetzes der Provinz Bozen konnte im Herbst 1955 zum Tagesunterricht übergegangen werden. Südtirol fand damit den Anschluss an die Berufsschuleinrichtungen Mitteleuropas.
Bis zum Übergang auf den Tagesunterricht erfolgte der Unterricht zweisprachig: einerseits wegen des Mangels an Räumen, aber hauptsächlich wegen des Mangels an Lehrkräften. Es seien hier kurz die ersten Lehrer erwähnt:
Prof. Kramer, Deutsch, Prof. Bragato, Italienisch, Schulinspektor i.R. Egger für Rechnen, Herr Niedermayr für Satz und Herr Andreazza für Druck.
Von 1953 bis 1955 fand der Unterricht in der Mittelschule in der Sparkassenstraße und von 1955 bis 1957 in der Weggensteinstraße statt. Ab 1955 wurde der Tagesunterricht eingeführt. Mit dem Tagesunterricht wurde die Frage der technischen Lehrkräfte besonders schwierig. Ohne Entgegenkommen der Firmen Athesia, Ferrari-Auer in Bozen sowie A. Weger in Brixen, die ihren Fachleuten die nötige Zeit für den Unterricht freigaben, wäre dies nicht möglich gewesen. Von 1957 bis 1960 fand der Unterricht im Haus Nr. 3 in der Mustergasse statt. Während dieser Jahre fand der praktische Unterricht bei der Druckerei Athesia unter der Leitung von Maschinenmeister Giuseppe Andreazza statt.

Der erste hauptamtliche Lehrer wird angestellt

Dank des Entgegenkommens des Berufsschulinspektors Dr. Karl Kuppelwieser, sowie des Präsidenten des Komitees für die grafische Schule, Comm. Walter Amonn, bekam die grafische Berufsschule 1961 bei der Bozner Mustermesse in der Romstraße neue Räume, und es konnten auch drei Druckmaschinen, sowie Satzmaterial angekauft werden. Es wurde auch Fritz Keitsch als erster hauptamtlicher Fachlehrer eingestellt, während Thomas Saboth mit Unterstützung der Südtiroler Landesregierung die staatliche Ingenieurfachschule für Wirtschaft- und Betriebstechnik der grafischen Industrie in Stuttgart besuchen konnte und ab 1963 hauptamtlich angestellt wurde. Er wurde später Nachfolger von Silvius Flor als Direktor. Damals besuchten 90 Schüler (deutsch- und italienischsprachige) die grafische Berufsschule, am Ende des Schuljahres wurden erstmals die Prüfungen abgehalten.

1966 konnte zu diesem Zweck auch eine moderne Heidelberg-Druckzylinderpresse anstelle der alten Druckmaschine und 1970 eine Offsetmaschine erworben werden.

Die Berufsschule zieht in würdige Räume ein

Im  Schuljahr 1970/71 konnte die grafische Abteilung der Landesberufsschule dank der Unterstützung des Landesrates für Schule und Kultur,
Dr. Anton Zelger, im früheren Druckereigebäude der Athesia in schulwürdigen Räumlichkeiten untergebracht werden.
Der theoretische und praktische Unterricht konnte nunmehr durch die Schaffung von Werkstattklassen verbessert werden.
Schon damals wurde aber festgestellt, dass einige nebenberufliche Lehrkräfte auf eine langjährige Tätigkeit zurückblicken durften: Maria Casale (Italienisch) seit 1957, Rudi Melchiori (Buchbinder) seit 1962, Roland Prünster (Satz) und Hans Wasserer (Deutsch) seit 1963.
Im Jahr 1975 erfolgte der Umzug der italienischsprachigen Lehrlinge in die neue italienische Berufsschule in der St.-Vigil-Straße.

Die deutsche grafische Berufsschule wird geschlossen

Zum Leidwesen der deutschsprachigen Lehrlinge wird im Jahr 1982 die grafische Schule von einem Tag auf den anderen geschlossen. Die Lehrlinge müssen nach Graz zum Besuch der Berufsschule gehen. Viele Eltern, Leiter von Druckereien und Gewerkschaftler erheben ihre Stimme zum Protest. Mehrere Südtiroler Lehrlinge besuchen, statt nach Graz zu gehen, in Bozen die italienischsprachige grafische Berufsschule.

Die deutsche grafische Berufsschule kehrt nach Südtirol zurück

Dank  des Einsatzes des Athesia-Druckereileiters Hubert Sorbello, des Gewerkschaftlers Arthur F. Stoffella, des Industriellen- sowie des Handwerkerverbandes, beschließt die Landesregierung 1987, die deutsche grafische Berufsschule unter der Leitung des Direktors Dr. Andreas Folie wieder zu eröffnen. Aber erst nach dem Jahr 1989, als Direktor Alfons Steiner die Führung der Berufsschule übernimmt, beginnt für die grafische Schule eine neue Ära.
Der unermüdliche und kämpferische neue Direktor scheut sich nicht, von Landesamt zu Landesamt, zum Industriellen- und Handwerkerverband zu pilgern, um »seine Schule« durch den Kauf von neuen Geräten und Maschinen zu einer gutausgerüsteten Bildungsstätte zu erheben, damit die Südtiroler Lehrlinge die bestmögliche Ausbildung erfahren können.
Der Lehrkörper wird unter Direktor Steiner neu aufgebaut und erweitert. Die Räume im Athesia-Haus in der Museumstraße werden zu klein. Dir. Steiner verhandelt mit Zähigkeit mit den Verantwortlichen beim Land, um größere Räumlichkeiten zu bekommen. Dies gelingt dann auch und die Schüler erhalten nun eine neue Schule in der Siemensstraße in Bozen.
Im Laufe des Schuljahres 1997/98 kamen dann die verschiedenen Ausstattungen und technischen Einrichtungen dazu und es erfolgte die offizielle Einweihung unserer Schule.
Dies soweit zur Geschichte unserer Schule, und wenn Geschichte schon von »geschehen« kommt, so darf man ruhig gespannt sein, was noch so alles geschehen wird, immer zum Wohle unserer Jugend und des Berufsnachwuchses.

Arthur F. Stoffella

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